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Buchveröffentlichung von Dr. Rolf Fritz Müller PDF Drucken

Rolf Fritz Müller, der über „Weibliche Biographie und Karrierstrategien“ forscht, kommt zu dem Schluss, dass die Frauenbewegung selbst als Karrierepolitik betrachtet werden kann. „Sie (die Frauenbewegung) war und ist interessensgeleitet und insofern auch erfolgsorientiert. Hierin lässt sich eine Karriere beschreiben, die Karriere der Frauenbewegung, wie sie Macht gestaltet, Erträge definiert, Strategien entwickelt und sich der Öffentlichkeit stellt. Strukturell verankerte Karrieren von Frauen stellen notwendigerweise die Frage nach der Politik und der Macht, weil Karrieren gesellschaftlich vermittelt und durchgesetzt werden müssen.
Der ersten Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass Frauen überhaupt Zugang zu Bildung und Berufsarbeit erhielten und sie einen großen Anteil an der Durchsetzung des aktiven und passiven Wahlrechts hatte. Die zweite Frauenbewegung schuf die Voraussetzungen dafür, dass Bildung und Freiheit für Frauen sich immer besser entfalten konnten und Frauenpolitik Regierungspolitik werden konnte. Die Genderpolitiken konzentrieren sich weitgehend auf Fragen der Gleichstellung, Lohngerechtigkeit. Karrierepolitik wurde vereinzelt angeschoben, wie durch die Unternehmerinnenkampagne, dass mehr Frauen in Vorstände berufen werden sollten. Diese ganzen Entwicklungen darf man nicht überbewerten, weil die Kunst, Alibifrauen zentral einzusetzen (‚Tokenismus‘), perfektioniert wird und die ‚gläserne Decke‘ in Unternehmen und anderen Institutionen weitgehend strukturell verankert ist. Das politische Gegenmittel, die Forderung nach der Quote, wurde medial heruntergemacht (Stichwort: ‚Quotenweib‘) und hat z.Z. selbst keine öffentlichen Fürsprecher.
Die Frauenbewegung wird wieder bedeutsam, wenn sie hier ansetzt. Ihre Sinnsuche wird an der Frage der Karriere nicht vorbeikommen und ihre Organisationsform wird die Vernetzung sein, ein klassisches Instrument der Karrierepolitik.
(…) Die ‚Vision der Gerechtigkeit‘ der alten Frauenbewegung hat gerade an den Realisierungsmöglichkeiten für Frauenkarrieren anzusetzen. Der Vorwurf, die Frauenbewegung verkomme zum Karrierecoaching ist nahezu widersinnig, weil die Geschichte der Frauenbewegung seit 1865 eine innere Logik aufweist: Die Ermöglichung und die Förderung von Frauenkarrieren.“ (Si:So, Nr. 01 2008, Jahrgang 13). Weiterführende Literatur: "Frauenbiographien im Karrierediskurs" von R.F. Müller, erschienen im Budrich Verlag 2012.

Den ausführlichen Text finden Sie hier.

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Rolf Fritz Müller
Tel.: 0221 / 550 74 78
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